Multimedia-Sommerakademie

01.08.2008

Patrick Kleeblatt: Der kreative Profi sucht den Klick

Foto: Patrik Romstätter

Der 54-jährige Fotograf Patrick Kleeblatt arbeitet auf der ganzen Welt. Als Gastdozent gab er den Teilnehmern Tipps zum richtigen Umgang mit der Kamera und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Patrick Kleeblatt wurde in Israel geboren und lebt zurzeit in Luxemburg. Seine Leidenschaft für die Fotografie wurde schon im Alter von acht Jahren entfacht, als sein Großvater ihm seine erste Kamera schenkte. Seine berufliche Laufbahn führte ihn über das Studium des Journalismus an der Sorbonne in Paris zu einer anschließenden Ausbildung zum Fotografen nach London. Fast zwei Jahrzehnte arbeitete er in den Kriegsgebieten der Welt. Seit 2003 ist er Inhaber eines internationalen Fotostudios in London und leitet die Onlinezeitung Indymedia Lëtztebuerg.

© Martine de Lagardère

Zuerst ist das Bild im Kopf

Als Gastdozent in der Akademie berichtete er von den Gesetzmäßigkeiten des Bildaufbaus, damit der Betrachter ein Foto ästhetisch wahrnimmt. Ein Bild besteht aus verschiedenen Ebenen, Linien und Diagonalen. “Bricht man die Regeln, dann muss dies bewusst geschehen und man sollte auch mutig sein, Neues zu kreieren“, so der Fotograf. Kleeblatt, der auch unter dem Künstlernamen „Martine de Lagardère“ arbeitet, erklärte dem Kurs, wie wichtig Details und Motivwahl sind. „Man muss sich schon vor dem Auslösen klar machen, wofür das Foto eingesetzt wird. Zuerst muss das Bild im Kopf sein“, sagt der Dozent über seine Philosophie.

“Schneller denken als eine Kamera Bilder machen kann”

Ein Interview mit dem Gastdozenten Patrick Kleeblatt

Er hat im Irak hinter den feindlichen Linien auf den Auslöser gedrückt. Er hat Trauer, Wut und Leid hautnah in seinen Bildern eingefangen. Patrick Kleeblatt ist Berufsfotograf und Journalist. Als Gastdozent in der Sommerakademie hat er seine Zuhörer in Atem gehalten.
Interview

Foto: Patrik Romstädtter

Sommerakademie: Patrick, wie fing eigentlich für Dich alles an?

Patrick Kleeblatt: Ich mache Journalismus seit… ja, schon fast viel zu lange. Ich habe zuerst in Kriegsgebieten gearbeitet, habe auch lokales gemacht und alle Bereiche einmal angepackt. Heute betreibe ich meine eigene Internetzeitung Indymedia. Sie gilt hauptsächlich für die Großregion Luxemburg, ist aber vernetzt mit 148 anderen Ländern. Ich habe auch ein Fotostudio in London, wo ich hauptsächlich für Musiklabels, Film und Theater arbeite.

Sommerakademie: Gibt es ein Erlebnis in Deiner Berufslaufbahn, das Dich besonders geprägt hat?

Kleeblatt: Eine Sache, die mich ganz tief geprägt hat, war mein erstes Jahr in London, wo es wirklich darum ging, sich das Bild zu erkämpfen. Man lernt also diese Ellenbogen-Mentalität, denn man ist mit vielen Fotografen an einem Ort. Da muss man schneller denken als die Kamera das Bild machen kann, um es zu bekommen. Denn es muss dann DAS Bild sein – It’s got to be THAT picture.
Alltag

© Martine de Lagardère

Sommerakademie: Gibt es Motive, die Du gerne fotografierst?

Kleeblatt: Ich würde lügen, wenn ich das verschweigen würde, aber natürlich machen Frauen enorm viel Spaß, ob an- oder ausgezogen. Vom kreativen Modus her machen all die Sachen am meisten Spaß, die man gerne selbst machen würde, aber nicht kann. Sei es Jonglieren oder Seiltanz, das zu fotografieren ist toll.

Sommerakademie: Du bist ja Luxemburger jüdischer Abstammung. In wie weit hat Dich Dein familiärer und kultureller Hintergrund beeinflusst?

Kleeblatt: Eigentlich gar nicht, da ich der jüngste bin und meine Geschwister viel älter sind. Ich war viel auf Internaten und auf mich selbst gestellt. Geprägt habe ich mich eher selbst.

Sommerakademie: Hast Du noch ein Wunschmotiv, das Du noch nicht vor der Linse hattest?

Kleeblatt: Ich mag am liebsten die Situationen, die ich nicht kenne, die einfach so auf mich zukommen. Wenn ich jetzt Cat Stevens fotografiere, ist das natürlich auch Spaß und eine Herausforderung. Aber das ist nicht der Kick. Man versucht auch immer wieder etwas Neues zu kreieren.

Sommerakademie: Wann ist Fotografie für Dich ein Job und wann ist es einfach nur Leidenschaft?

Kleeblatt: Ich stehe morgens auf, ich denke an Fotos. Ich gehe abends schlafen, ich denke an Fotos. Es ist nie bloß ein Job.
Das Interview führten:
Isabell Ullrich, Köln, 22, Studentin der Medienwissenschaften
Mila Mulas, Luxemburg, 21, Studentin der Europäischen Kulturen


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